Endlich sind die Prüfungen vorbei und man hat Zeit sich über nützlichere Dinge gedanken zu machen.
Was hat eigentlich das Gebet vor dem Essen für eine Bedeutung?
Da mir die historische Recherche gerade kein Spaß bereitet, bleib ich in der subjektiven Gegenwart. Viele, die sich Christen nennen, falten nicht nur daheim bei Tisch , sondern auch in der Mensa, Restaurants und Fast-Food-Ketten die Hände, neigen ihren Kopf und beten laut oder in der Stille.
Als ich noch mit meiner damaligen Elbingeröder Jugendgruppe unterwegs war, wollten einige immer im McDonalds vor dem Essen beten, um zu zeigen wir sind Christen, werdet es doch auch, anderen, wie mir, war es wiederum peinlich.
Doch Gebet war als rituelles Zeichen m.E. noch nie missionarisch. Für was brauch ich dann bitte Gebet vor dem Tisch? Hände falten, an Gott denken, fürs Essen danken und das im McDonlads oder in der Mensa? Orte wo es doch nur Junkfood gibt + eine C02 Bilanz, bei denen Engel aus dem Wolken fallen. Kann man da überhaupt noch fürs Essen danken, oder eher für den Chemiker der es möglich macht, so wunderbare Geschmacksrichtungen in Form von E-Stoffen zu kreieren? Oder danke ich etwa für die leckere Arbeit der europäischen Fischer mit ihren Megatrawlern, die das Meer leer saugen und somalischen Fischern die Existenz berauben, sodass sie kurzer Hand Captain Sparrow nacheifern?
Unweigerlich habe ich ein Experiment gewagt. Ein gutes halbe Jahr habe ich vor dem Essen weder gebetet, noch gedankt, noch nach oben oder unten geschaut, ja sogar noch nicht einmal meine Hände aus Freude über dieses wunderbar Mahl in die Himmel gehoben.
Entstanden ist eine viel tiefere Beziehung zwischen dem Essen, Gott und mir. Läßtige Traditionen wurden über Bord geworfen. Die Folgen davon waren Dankbarkeit, Unselbstverstänlichkeit und Mäßigung, die mich ab und zu staunen lassen wie Gott und das Essen in miraculöser Weise zusammen hängen.
Ich kann nun in einer ganz anderen untratditionellen Weise über dem Essen meditieren/beten.
Wo kommt es her? Ist es Gesund für mich? Was sagte und machte Jesus und andere schlaue Leute über und mit dem Essen? Hab ich es mir verdient? Haben alle am Tisch hier und in der Weltgemeinschaft genug? Schmeckt es jedem? Esse ich zu viel oder zu wenig? Wo ist Gott in dem Essen?
Vor dem Essen beten heißt, sich gedanken über das Essen machen, auf Antwort warten und diese dann laut oder leise, in der Gruppe oder alleine formulieren und letztendlich die Antwort auf sein eigenes Gebet sein: Nachhaltig Einkaufen und es sich schmecken lassen!:-)
2 Kommentare:
Interessantes Experiment... mit dem beten vor dem Essen hab ich mich auch schon gefragt.
Mich würde interessieren worin deine tiefere Beziehung zum Essen, zu Gott etc. besteht und wie habe über Bord geworfene Traditionen Dankbarkeit, Unselbstverständlichkeit, Mäßigung hervorgebracht. Das hört sich sehr spannend an. Und ist meditieren wirklich ein äquivalent zum Beten? Ich werde mal darüber nachdenken ;) lg
hey sammy,
ich kann dir denk ich so spontan nicht auf alles antworten. dafür liegt die beschäftigung mit dem thema schon zu lange zurück.
ich denke viele beten beim essen und auch bei anderen gebeten, tief implementierte systeme herunter. das ist ganz normal,das macht jeder beter. wichtig ist nur diese systeme zu hinterfragen. wie sind sie enstanden...die systeme? so kann ich feststellen ob das gebet wirklich angebracht ist und drüber nachdenken was ich eigentlich beten sollte. somit bin ich nicht nur "dankbar fürs essen" wie ich es schon so oft gebetet habe. manchmal kann ich mich auch ärgern, wie dick (=ungesund) mich das essen machen kann. aus dieser reflexion und einem neuen gebet kann dann zb mäßigung enstehen.d.h. weniger fast food, fleisch, süßses und schnaps konsumieren.
beten als äquivalent zur meditation oder umgekehrt ist eine vage vermutung. aber es macht sinn. in beiden fällen komme ich zur ruhe und konzentriere und "kommuniziere" (kann man mit gott reden?) mich auf ein methaphysisches irgendwas. natürlich darf man sich bei meditation nicht nur ein in sich versunken mönch vorstellen und bei gebet nicht nur die gefallteten hände. es sind beides, gebet und meditation, "kommunikationsform" mit gott.
außerdem denke ich, dass meditation für nicht beter/christen verständlicher ist. eventuell bekommen sie leichter zugang zum größten.
okidoki,
hoffe du lebst dich gut in halle ein.
liebe grüße
dave
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