Montag, Oktober 31, 2011

Was Luther von Halloween lernen kann und Gott schon längst wußte,

Die letzten Tage habe ich bestürzt feststellen müssen, wie sich keiner meiner ecclesiophoben Freunde über die wachsende Bedeutung von Halloween in Deutschland freute. Naja, ist auch eine dumme Beobachtung, denn sie sind nicht die Nutznießer dieses althergebrachten Festes. Stattdessen muss ich mir über ev. christliche Blogs und ev. Zeitschrift sagen lassen, wie schwindlig Halloween auf den Vormarsch ist und wie gravierend der „Martin - Luther - Gedächtnis - Schwund“ ist. Ja, sogar Gegenveranstalltungen und Bonbons haben sich gebildet, die aber ausserhalb der ev. Kirche wenig ernst genommen werden. Ein richtiges einseitiges Sebelrasseln. Mr. Halloween läßt sich davon nicht beeindrucken und steckt sich den Degen lieber selbstbewußt in den Kürbiskopf – das trägt man auf Halloweenparties heute so. Denn: Reformationsbrötchen stapeln sich beim Bäcker, Kürbisse hängen in jedem Schaufenster. Wer hier der Sieger ist, steht nicht erst seit ein paar Jahren fest.
Doch was hat die Reformation falsch gemacht? Warum will keiner mehr „sola scriptura“ und die „wormser Vernunft“? Was ist passiert in den fast 500 Jahren Reformationsgeschichte? Vielleicht ist sie seit ein paar Jahren keine Reformation mehr. Hart und aus dem Bauch gesprochen, gleicht sie eher einer Stagnation. Die Reformation ist fast tot. Doch allein die Schuld bei der Kirche und „1517 Reformation“ zu suchen wäre falsch. M.E. handelt es sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wir sind entweder satt oder überfordert vom Vernunftsstreben, einfach überfressen an einer kalten und harten Gesellschaft, die dem Gehirn mehr Vorrang gewährt als dem Herzen. Denn wir wollen Feste, auch wenn sie gruselig sind, es sind unsere Ängste. Wir wollen Herbstfarben – Orange, Rot, Braun, Feste, die an unserem natürlichen Zyklus gekoppelt sind und wir wollen Kürbisuppe, falls sie gut gewürzt ist! :-)
Doch geben wir der Reformation noch eine letzte Chance. Nutzen wir ihre Stärke d.h.: Schalten wir unseren Verstand (Ratio) ein und werfen ein (Über)blick in die Bibel. Wenn wir dort eine grundlegende Eigenschaft Gottes erkennen können, die sich durch die ganze Bibel zieht, dann diese: Gott ist ein Gott der Bewegung. Die Bibel, ein Buch mit "Action und Heros" und das ganz ohne Popcorn, aber mit Alk und ungesäuertem Brot. Gott ist immer in Bewegung. Er ist immer im Prozess. Er ist derjenige, der den Prozess vorran treibt. Er selbst kreiert den Raum/ das Universum und haucht dem Staub Leben ein, führt und hardert mit seinem damals auserwähltem Volk und steigt in einer unglaublichen Geschichte selbst zur Erde herab. Gott ist ein Gott des Prozesses und nicht des Stillstandes!
Ein Prozess innerhalb und ausserhalb der Bibel bedeudet aber nicht, dass etwas ganz Neues ensteht, was wir noch nicht kannten, sondern altes (die Idee der Liebe oder des Fliegens etc.) wird neu belebt. Eine Renaissance. Was heißt das für die Reformation heute? Sie hat die Gefühle, die wunderschönen Herbstfarben im Glauben, die Mystik und die gesellschaftliche Entwicklung verdrängt oder verpasst und Halloween hat dieses Loch gefüllt und ist in diesem Fall der Erde und Gott näher als die Reformation es gerade ist. Doch wie kann die Reformation (Verstand und Bibel) wieder an Bedeutung gewinnen?
In der Mathematik wird Ratio (Vernunft), die die Reformation so lieb hat, als Verhältnis zwischen zwei Faktoren bezeichnet. Zwischen A und B. Im übertragenen Sinn hieße das für die Reformation, Herz und Hirn ins Verhältnis setzen!
Fazit: Die Antwort liegt in der Reformation selbst: Sie muss sich reformieren. „Ekklesia semper reformanda est“, auf Hochdeutsch: „Eine Versammlung muss sich immer reformieren“ hin zur Ratio, zum Verhältnis, zum hoffentlich ausgeglichenem Verhältniss von Herz und Hirn! Als Versammlung kann man übrigens nicht nur die Kirche einsetzen, auch Politik, Wirtschaft und Soziales sind im großen und ganzen eine Art von Versammlung. Der Begriff Kirche ist somit weiter zu fassen und läßt sich nicht auf Institution katholisch und evangelisch beschränken. Herz und Hirn darf, muss und soll überall herrausgerufen werden (ekkaleo → herausrufen; Ekklesia → Die Herausgerufene)!



5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Mal ne ernsthafte Frage dazu: Wie wurde der Reformationstag denn vor 30 oder 50 Jahren gefeiert? Hast du dazu Quellen? Welche Traditionen gab es zu DDR-Zeiten... ?
Gesine

David hat gesagt…

Wäre eine spannende Frage was da die Alternative zum Reformationstag gewesen ist. k.a. und keine Quellen, sorry. Ich glaube aber, dass die reformatorische Bauernbewegung einfach stärker beleuchtet wurde.

Anonym hat gesagt…

Ich frage mich, ob es bei diesen Feiertagen wirklich so einen Traditionsabbruch in Ost- und West gibt oder ob der nicht schon länger da ist und lediglich Halloween das "verbildlicht".
Zum Stichwort Entstehung des Reformations-Feiertages meint Wikidingsda: "Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen setzte 1667 den 31. Oktober fest, welcher sich dann in den meisten Ländern durchsetzte." - Ob der tatsächlich über die Jahrhunderte weg immer als solch Gedenktag gefeiert wurde? Oder hat auch der Tag sich immer wieder "reformieren" und neu finden müssen? (G)

Klugscheißer 011 hat gesagt…

Meinst du ecclesiophob oder ecclesiophile Freunde, wer soll denn Nutznießer sein? In beiden Fällen ist es ja eh eigentlich nur die Industrie:)

Ich dachte immer Reformationstag ist eigentlich nur ein Gedenktag, wie 3. Oktober. Das der Gedanke an Reformation erhalten geblieben ist, ist meiner Meinung nach eh nur der Kirche zu verdanken, auch wenn die Auswirkungen ja viel grundlegender waren. Wie dem auch sei über Gedenktage und Riten, Feiern etc kann man sich ja streiten.

Problematischer scheint mir zu sein, das als Aufhänger dafür zunehmen Gott prozesstheologisch "einfangen" zu wollen (welch paradoxe Wortwahl) und ins Spiel zu bringen. Das halte ich für ein äußerst schwieriges, d.h. komplexes/kompliziertes Unterfangen, was ja im entsprechenden Diskurs auch nur bedingt gelungen ist. Es wird diese systemtheoretische Strömung zwar wieder entdeckt aber sie kann noch längst nicht alle Anfragen standhalt. Sie ist als Theologie zu einem Gedenktag, wie sie hier zum 31.10 gemacht wurde mir auch zu unzutreffend. Die Frage in Bezug auf das Thema Reformation wäre auch, was damit gewonnen wäre.

Die stillschweigende Gleichsetzung der Ekklessia (Kirche als Versammlung der Gläubigen) zu Kirche als Institution mag man geschichtlich noch selbst hinbiegen können aber den Begriffe in Abstrakta wie Politik, Wirtschaft und Sozialgefüge überführen zu wollen, ist mir nicht ganz schlüssig, zumal später die Bedeutung von "Versammlung" auf "Herausgerufene" verschoben wird, was nur schwer analog zu verstehen sein kann.

Ach, sorry für die kritische Betrachtung, bietet sich nur gerade so an ^^

vlg

David hat gesagt…

danke für deine kritik, danke gesine fürs nachschauen. :-) ja es ist realtiv komplex meine kritik und es viel mir schwer sie in verständliche worte zu fassen. ich versuche halt antwort auf kritische fragen zu finden, die sich dem aufmerksamen leser dieser welt und der bibel stellen. zwar werd ich dabei wohl nie 100% befriedigt werden, es bleibt immer ein versuch, aber das ist theologie. so nun etwas präzieser :-) aus unseren augen ist gott doch ein verwandelbarer gott. also, er ist zwar aus gottes sicht, also seiner sicht immer gleich, aber aus unserer begrenzenten "vernünftigen" Sicht wandelbar. anderenfalls würde ich die handlungen jesus nicht erklären können. die tatsache, das gott aber dennoch unwandelbar ist, also in der liebe, gerechtigkeit etc in der er sich offenbart,dass beruhigt mich wieder und läßt mich glauben. leider lassen sich dinge wie liebe und gerechtigkeit nicht greifen. sie müssen stetz götllich sein und erleuchten nur zu wenig auf erden. auch hier gilt die mathematische (wissenschaftliche) ratio...die mischung machts :-) prost! schlaf gut klugscheißer 011

ps: ich mein ecclesiophobe freunde und ecclessia läßt sich durch die etymologiegeschichte unterschiedlich übersetzten...ich lege mich jetzt mal auf versammlung fest...der letzte teil war eher so ne aufforderung..aber sie ist nicht ganz logisch mit dem rest des textes...stimmt, man ist theologie komplex:-)